Ernst Vollmer 

Als beratender Kaufmann sind trockene Zahlen sein Metier. Seit über 15 Jahren hat Ernst Vollmer seine Leidenschaft für ein geistiges Getränk kultiviert, mit dem er nun schon neun Volkshochschulen von Barmstedt bis Bad Bramstedt, von Alveslohe bis Sülfeld beglückt hat. Der gebürtige Aschaffenburger lehrt die Kunst, wie Malt Whisky gebrannt und gelagert wird und wie er zu genießen ist. Seine Kurse sind stets ausgebucht. 

In Alveslohe, wo Vollmer wohnt, läuft nun bereits die elfte Fortsetzung seines Malt-Whisky-Seminars. Ein Dauerbrenner mit inzwischen gut 120 Veranstaltungen und 1000 Teilnehmern. Manche sind von Anfang an dabei, haben sich zu wahren Kennern der Materie entwickelt
und besuchen selbst Whisky-Messen.


Irgendwann sei ihm das Cola-Whisky-Trinken auf Feiern und in Gesellschaften auf den Wecker gegangen, begründet Vollmer, wie er zum Missionar für diesen edlen Tropfen werden konnte, den die Schotten nach dem keltischen Begriff für Lebenswasser ("huisge beather") Whisky nannten, seit er im 15. Jahrhundert durch die Mauren nach Spanien gelangte und von dort den Weg auf die Nordseeinsel fand.  

Seinen persönlichen Aha-Effekt erlebte Vollmer in den 60er Jahren, als ihm ein in Aschaffenburg stationierter amerikanischer Soldat eine Flasche "Single-Highland Malt" von einer Nato-Übung aus Schottland mitbrachte. Ein Gedicht. Und ein Schlüsselerlebnis für Vollmer, da es damals in Deutschland nur die mit Weizenschnaps verschnittenen, viel jüngeren sogenannten "blended" Whiskys gab. "Die Vielfalt des Malt Whiskys ist phänomenal", findet Vollmer. Er kenne kein anderes alkoholisches Getränk, das wie Malt Whisky aus einem Grundstoff (gemälzte Gerste) besteht und eine so große geschmackliche Bandbreite entfalte. 800 Inhaltsstoffe gilt es für die zehn Millionen Nervenzellen unserer Nase zu identifizieren, doziert er vor seinem Publikum. Und es ist ein wirtschaftlicher Faktor. Malt Whisky ist heute der größte Exportartikel Schottlands. Der Konzern Diageo, dem allein 50 Malt-Brennereien in Schottland gehören und der auch Guinness-Bier, Smirnoff-Wodka und Johnny Walker vertreibt, setzt jedes Jahr zehn Milliarden Euro mit Whisky um. Es gibt heute rund 100 Destillen in Schottland, die weit mehr als 300 verschiedene Single-Malts aller Alters- und Aromastufen produzieren.  

Für Vollmer ist das Malt-Trinken ein Ritual. Ein guter Malt am Abend könne das I-Tüpfelchen eines positiv verlaufenen Tages sein, erklärt er. Und sollte der Tag eher hektisch und nicht so glücklich gewesen sein, täte man sich eben etwas Gutes mit dem Malt, der einen Alkoholgehalt von 40 bis 60 Prozent haben kann. Dabei spielt das Berauschende an diesem geistigen Getränk für Vollmer nur eine untergeordnete Rolle, es sei sogar hinderlich, betont der VHS-Lehrer. "Wenn es die Sinne benebelt, fehlt mir die Wahrnehmung von Geschmack und Qualität."  

Vollmer zelebriert es geradezu, wenn er sich einen Malt Whisky gönnt, was zwei- bis dreimal die Woche vorkomme, wie er sagt. Da wird der Whisky zunächst in ein sich nach oben verjüngendes Glas gefüllt. Anschließend verdünnt er ihn mit ein paar Tropfen stillem Wasser, was die Geschmacksstoffe des Malt erschließen soll, und deckt den edlen Tropfen mit einem Deckel zu. Kein Düftchen darf entweichen. Nun schwenkt der Genießer das Glas, bis das Getränk Handwärme erreicht hat. Diese Prozedur nimmt Minuten, manchmal eine Viertelstunde in Anspruch, bevor er endlich an dem Glas zu nippen beginnt. Für Durstige ist das nichts. Wer Probleme mit dem Alkohol habe, warnt Vollmer, solle lieber die Finger davon lassen. Deshalb aber den Malt Whisky zu "verteufeln", halte er für falsch. "Es ist ein wirklich hervorragend gelungenes Destillat. Da steckt Könnerschaft dahinter.
Kunst kommt von, können'."

Quelle: Hamburger Abendblatt